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Die Geschichte vom Mini - Boxer - Erzählt von Günter Michel / 2017

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Auch so kann eine BMW auch aussehen !!

Wie es zu seiner Namensgebung kam, kann man sich denken.

Und hier ist seine Geschichte:

Wie alle "Rennsportler der alten Zeit" waren auch wir keine Ingeneure oder Techniker, sondern einfach Schrauber mit Visionen oder Ziele, die wir erreichen wollten.

Für den Erfolf ist es wichtig, einen konseqenten Weg zu gehen, auch wenn er manschmal in die falsche Richtung geht. Nur dadurch kann man besser werden.

Was wir so alles in dieser Zeit gebaut haben, ist ja reichlichst bekannt und wurde auch schon auf unseren Seiten herausgestellt. Aber wie kommt man auf die Idee, ein so kleines und absolut leichtes Motorrad zu bauen.

Ich muß dazu anmerken, das Willi und ich nie etwas von der "Stange" genommen haben. Wir haben alles neu überdacht und nach userer Vorstellung verändert, was ich auch heute noch so mache.

Ich sehe es heute noch vor mir: Willi hat mich im Frühjahr 1981 angerufen, er müsse dringend was mit mir besprechen. Ich hatte ja inzwischen mein Geschäft in Oppenheim und war hier fest eingebunden.

Am nächsten Tag bin ich hingefahren, nach Mommenheim in seine kleine Werkstatt. Er saß, wie immer an seinem Schreibtisch in der Werkstatt, einen Brief in der Hand. "Ich brauche noch mal deine Hilfe, es geht um was ganz großes. Ich haben eine Anfrage aus Spanien, die 24h von Barcelona zu bestreiten. Drei Fahrer sind auch schon Fix. Nur das Motorrad fehlt noch".

In seiner Werkstatt stand damals noch das Motorrad aus den Vorjahr. "Das will ich eh umbauen"  sagt er, "aber ich weiß noch nicht wie".

Da standen wir nun, vor einem fertigen Motorrad, das man nur noch leicht verbessern mußte und es wäre fertig gewesen. Wir hatten noch ein paar Ideen, wie man den Motor besser wechseln konnte, der Auspuff sollte auch anders werden und die Sitzposition mußte auch nur noch für die Fahrer angepasst werden. Aber alles hat uns nicht so recht gefallen. Wir haben uns dann darauf verständigt, das wir uns in 3-4 Tagen wieder treffen. Er wollte in der Zwischenzeit die finanziellen Dinge mit dem Auftraggeber besprechen und ich sollte mir weiter Gedanken über den Umbau des vorhandenen Motorrades machen.

Als ich dann eine Woche später zu Ihm kam, lag da ein R65 Rahmen und eine Schwinge auf dem Boden. Das Gespräch mit dem Auftraggeber war in der Zwichenzeit positiv verlaufen. Als ich ihn gefragt habe, wo denn das fertige Motorrad ist hat er gesagt: "Ich habe es zur Finanzierung des anstehen Projekts nach Spanien verkauft. Wir sollen es zum Rennen mitbringen und auch betreuen. Es steht oben bei den Eltern in der Garage. Der neue Eigentümer möchte aber ein RS Oberteil statt der Sportverkleidung", denn er ist BMW-Händler und möchte mit der "RS-Optik" werbung für den Verkauf machen. Konnte man ja verstehen.

Gut.....das sollte keine all zu große Aktion darstellen.

Aber mit was bestreiten wir die 24h?

Da saßen wir nun vor den Rahmenteilen. Was uns vorschwebte, war ein kleines zierliches Motorrad, so etwas, was noch keiner gebaut hat. Hier sollte all unsere Erfahrung einfließen.

"Schrauber" unserer Generation haben ihre Vorstellung im Kopf. Zeichnungen gibt es selten. Es sind meist nur Skizzen auf einem Stück Papier und so war es auch bei uns.

Zu einem kleinen Motorrad gehören auch kleine Räder. Es sollten 16 zöller von "PVM" sein, um die ein kleines, zierlisches Motorrad enstehen sollte.Zu dieser Zeit gab es aber nur 16 Zöller für hinten. Somit mußten wir leider auch eine breite Felge für vorne nehmen. Ein 17er Vorderrad kam für uns nicht in Frage, da dies das Gesammtbild verändert hätte. Die R65 Telegabel war schnell gekürzt. Der Motor und der Schwingedrehpunkt mußte seine ursprüngliche Positzion behalten. Da blieb uns nur übrig, das Rahmenoberteil mit Steuerkopf vom unteren Teil mit der Schwinge zu trennen. Danach haben wir das Oberteil gekürzt und wieder mit dem Unterteil (für die Montage des Motors) verschraubt. Eigentlich hatten wir jetzt, nach ca. 6 Wochen Arbeit, ein flaches Motorrad in den Grundzügen fertiggestellt. Als Motor hatten wir einen mit 1000ccm vorgesehen. Jetzt noch mal 4-6 Wochen für den Rest mit Verkleidung, Sitzbank, Lackierung und das Motorrad ist zur Probefahrt fertig, dachten wir.

Aber soweit kam es nicht.

Alles was wir auch an Verkleidung, Sitzbank und Tank genommen haben, hat uns einfach nicht gefallen. Mit dem Fahrzeuggewicht kamen wir auch nicht viel runter gegenüber dem Motorrad aus dem Vorjahr. Was nun, guter Rat war Teuer und das im wahrsten Sinn des Wortes.

Das fertige Motorrad wurde zerlegt. Es stand nur noch der Vorderbau mit Rad und Telegabel auf dem Boden, dahinter auf einer Holzkiste in Einbauhöhe der Motor, sonst nichts mehr. Nach weiteren überlegungen legten wir ein dickes Rohr über den Motor, an den Steuerkopf angelehnt. Egli machte das auch so, also muß es funktionieren. Der 1000er Motor war auch zu schwer, also mußte ein 850er auf R65 Basis ins Fahrwerk. Dieser soll dann als tragendes Teil die Schwinge mit aufnehmen".

Nach weiteren 14 Tagen voller Arbeit hatte es sich aber gelohnt, wir hatten endlich den Rahmen, wie wir ihn uns immer vorgestellt hatten.

 

hier gut zu sehen, das Zentrale Hauptrohr

Aber wo die Schwinge befestigen. Auch hier hatten wir bald eine Lösung zur Hand. Die machen wir am Motor fest., dafür hat ja BMW extra für uns eine Aufnahme (hintere Motorhalterung) ans Gehäuse gegossen.

Die "Gelenke" der vorderen Schwingeaufnahme lagen schon auf der Werkbank, eine Skizze daneben. Aber es waren bestimmt so 8-10 Versuche, bis wir eine Schwinge nach unserer Vorstellung fertig hatten.

Alle anderen Teile mußten noch in mühefoller Kleinarbeit hergestellt werden. Wie die Fußrastenanlage, Kardanwelle, Bremsanlage usw. Für den Tank, Sitzbank und die Verkleidung haben wir eigene Formen zur Herstellung gebaut. Aber es hatte sich gelohnt.

 

   

gut zu sehen, die Schwingeanlenkung am Motorgehäuse.

 

hier die Motoraufhängung / der Motor als tragendes Teil

Durch das dicke und nahe am Motor liegende Hauptrohr war kein Platz für einen Anlasser, aber den hatten wir von vorn herein nicht vorgesehen. Der Motor sollte mittels Kickstarter zum Leben erweckt werden. Bei Langstreckenrennen muß das Motorrad beim Start einmalig ohne zu schieben anspringen. Danach beim Boxenstopp kann man anschieben. Und das hatten wir von vornherein so einkalkuliert. Mit dem fünfgang Getriebe ist es schwer, auch noch mit Rennkommbi, ein Motorrad anzutreten. Also griffen wir auf das viergang Getriebe der /5 Modelle zurück. Hier ist die Kickstarterübersetzung besser. Den Hebel haben wir verlängert, somit konnte man den Motor besser antreten. Jetzt hat natürlich der lange Hebel beim fahren gestört. Deshalb hatten wir den Hebel geteilt, so das man den oberen Teil nach dem Sarten entfernen konnte.

 

   

gut zu sehen, den Kickstarterstumpf am 4 Gang Getriebe

 

hier eine Startaktion

Wie klein das Motorrad war, sieht man auf den folgenden Bildern. Der Fahrer mußte auch klein sein, um genügend Platz zu finden.

Mit meinen 1,85 hatte ich bei den Probefahrten so meine Mühe, aber da ging es ja auch um nichts.

 

der Mini-Boxer im Vergleich zu einer R90S / der Motor liegt höher und der obere Teil ist viel niedriger

 

   

große Fahrer / nein Danke

 

kleine schon

 

 

   

schlankes Heck

 

Im Cockpit nur das nötigste, den Drehzahlmesser

Nach einigen Testfahrten und kleinen Veränderungen  haben wir dann das Motorrad (1982) bei den 24h von Barcelona zum Einsatz gebracht und die Fahrer waren sehr von der Handlichkeit angetan. Der "Mini-Boxer" wurde von allen begeistert und ungläubig angesehen. Selbst Leute von Honda, Kawasaki und Yamaha haben damals nicht schlecht gestaunt, als wir im Fahrerlager standen und das "Ding" auch noch schnell war auf der Rennstrecke.

Denn auf Anhieb den achten Startplatz herauszufahren, konnten auch wir beim besten Willen nicht vorhersehen. Leider stand schon vor dem Rennen fest, das wir nicht lange fahren konnten, denn unsere Ersatzräder zum wechseln beim Boxenstopp hatten keine passenden Radlager. In den von PVM zu spät gelieferten Ersatzräder waren falsche Radlager montiert. Wir hatten zu Hause keine Zeit mehr, uns um die Beschaffung passender Lager zu kümmern. Alle Versuche, in der Weltstatt Barcelona, passende Lager aufzutreiben, blieben erfolglos. Und so scheiterte unser großes Projekt an einem vergleichweise billigen Artikel.

Nachfolgend sehen sie die letzten Bilder vom "Mini-Boxer", die wir noch selbst in Barcelona gemacht hatten. Leider sind es zu wenig, aber in der aktiven Zeit hatte man für diese Dinge keinen Kopf, da ging es nur um den Rennsport.

 

   

Willi und Günter (kurze Hose) beim starten des Motors im Fahrerlager

 

Techniche Propleme hatten wir keine

Nach dem Rennen am Montag morgen vor der Abreise nach Hause, hatte Willi festgestellt, das unser Motorrad aus dem Transporter entwendet wurde.

Ich war schon vorher abgereist und hatte davon nichts mitbekommen.

Heute, nach einigen Nachforschungen kann ich sagen, das das Motorrad wohl noch in seinem damaligen Zustand in Spanien steht.

 

Das war der Nachfolgerahmen für einen neuen Mini-Boxer / er kam aber nicht mehr zu Einsatz

 

 Was mir aus dieser Zeit geblieben ist?

Die Erinnerung an etwas, was die Motorradszene bewegt hat und auch heute noch bewegt.

Und ich war ein Teil des Ganzen!

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Und noch eins ist anzumerken!

Es gab und gibt nur dieses eine Motorrad von uns und nicht mehrere. Der Motor hatte nie mehr als 850ccm. Der Mini-Boxer hat auch spezifische Merkmale in der Herstellung, die nur ich kenne, was einen exakten Nachbau in der ursprünglichen Form selbst mir (fast) unmöglich macht. Außerdem gibt es nicht mehr alle Teile so am Markt zu kaufen, wie wir sie am Original verbaut haben.

Und eine Veränderung des original Zustandes kommt für mich nicht in Frage.!!

Außerdem wollte es mein Bruder (Willi) so, das kein weiterer "Mini-Boxer in dieser Ausführung mehr gebaut wird!

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Zur Zeit (2017) entsteht ein "neuer" Mini-Boxer.

In Anlehnung an die modernere Technik von BMW planen wir einige Änderungen.

Er wird 17 Zoll-Räder haben. Paraleverschwinge und ein mechanisches Anti-Dive an der Telegabel. Ein Motor auf Basis der R65 mit 928ccm sind ebenso Bestandteil vom "neuen" Mini-Boxer. Tank, Sitzbank, Verkleidung, Auspuffanlage .... usw. werden auch neu gestalltet.

 

Rennsport mit 2V Boxer  | michel-bmw@t-online.de